Ich bin wiedergeboren und wer ist der Feind?
Verwundert schaut Sina Exos an, als er darauf anspricht, dass die Welt gegen die Veränderung ankämpft. „Erm… hast du nicht eben gesagt, dass deine Parasiten…?“
„Ja, weil es ziemlich offensichtlich ist.“ nickte Exos. „Doch glaube ich, dass Gaia sich ein bisschen mehr wehrt. Es kann kein Zufall sein… das mein Erlebnis so ähnlich ist, wie du es aktuell hast. Wenn wir genauer hinschauen…
Die Völker in meinen Fall hatten Angst vor meiner Kraft gehabt, die hat man ihnen angesehen. Doch vermute ich, dass noch mehr in diesem Problem war. Neid, Eifersucht, Gier, einige hatten das Verhalten wie… die Parasiten auf dieser Zeitebene das zeigen. Überlege doch mal Sina… WANN fing das Problem bei dir an?“
„Hmm…“ grübelt Sina. „Erst als ich meinen Titel als Dämonenkönigin verkündet habe. Erst… da wurden sehr viele komisch. Die, die vorher schon zu mir standen, tun es jetzt immer noch, aber…“
„Einen Dämon akzeptieren sie alle, aber eine Dämonenkönigin nicht? Ich habe mich damals nicht als Götterbestie vorgestellt und den Titel „Magiertyrann“ bekam… ich auch erst hinterher. Sina, glaubst du nicht, dass unsere Titel… mehr Effekte haben, als man vermutet?
Wenn ich den Magiertyrann… nicht hätte, sondern…“ schmunzelt Exos auf einmal. „Exos der Freundliche. Wie wäre es dann mit uns verlaufen? Würde das Gefühl bei dir aufhören, nach einer Waffe zu greifen?“
„Meinst… du nicht dass es etwas sehr weit hergeholt ist? Vielleicht waren deine Taten einfach so grausam gewesen, dass der Titel wirklich gerechtfertigt war.“ zweifelt Sina an der Theorie.
„Hmm… das könnte schon stimmen, aber wenn die Welt sich wehrt. Ab wann genau fängt sie an sich zu wehren? Sie selber kann mir nichts antun, denn ich habe die Kontrolle über ihr Lebenselixier. Doch wie sieht es bei dir aus?
Ich kann dir versprechen… aus eigener Erfahrung, dass deine Verbündeten, die dir JETZT treu standen, dich fallen lassen werden. Es ist einfach eine Wiederholung, was ich einst erlebt habe. Nun… musst du ein bisschen weiter denken.
Überall kommen auf einmal Feinde, die dir das Leben schwer machen, WEIL du einen Titel hast. Vorher versteckt vermutlich, nun offenbart. Feinde, die vermutlich überhaupt nicht mal in deinem Sichtfeld waren.
Einfach weil du einen Titel trägst. Findest… du es wirklich nicht ein… klein bisschen komisch? Als ich den Magiertyrann bekam, bekam ich ebenfalls mehr Feinde. Feinde von denen ich nicht mal wusste.“
Sina verschränkte ihre Arme… denn so sehr sie sich auch sträubt, sie kann bisher schwer gegen die Argumentation ankommen. Doch bekommt Sina nicht das Gefühl los, dass Exos versucht sie irgendwie zu bekehren. „Nehmen wir an, dass es stimmt, dass die Titel das Problem sind, dass die Welt uns das Leben nun schwer macht. Trotzdem…“
„Denk noch einfacher…“ hob Exos einen Finger hoch und grinste dabei. „Die Welt tut auch nur das, wozu sie erschaffen wurde. Alle Rassen tun nur das, wozu sie erschaffen wurden. Die Titel… selber, tun auch nur das, wozu man sie erschaffen hat. Du weißt von wem ich jetzt spreche.“
„Die Götter selbst.“ antwortet Sina. „Sie haben die Welt erschaffen und das System. Sie haben die Rassen und weiteres erschaffen. Du willst mir also sagen, dass die Götter meine Feinde geworden sind?“
„Ich bin mir nicht sicher, weil du der Liebling des dunklen Gottes bist. Wenn eher hast du die Göttin als Feindin.“ lehnte Exos sich nach hinten. „Liebling? Dafür… ach scheiß drauf, du wirst es selber wissen.“ lehnte Sina sich ebenfalls nach hinten auf dem Sessel.
„Wenn sich der letzte Stand des Wissen mit dir nicht geändert hat und deine Aussage von vorhin, redet der liebe dunkle Gott nicht mit dir. So ein Pech aber auch. Hier…“ zog Exos ein weißes Taschentuch aus der Weste raus.
Nun war Sina angefressen, dass Exos die gleiche Provokation bei ihr ausübte. „Falls du einen Weinausbruch bekommst… ich biete dir gerne mein Taschentuch an.“ grinste Exos sehr gemein.
„Wie dem auch sei, die Götter sind meine Feinde, bei dir dürfte es die Göttin sein. Tja, mich verwundert das eigentlich nicht, denn du bist ein Kind des dunklen Gottes.“ redete Exos wieder weiter. Doch die letzte Aussage machte Sina stutzig. „Ich bin…“
„Entschuldigung, Metaphern scheint nicht deine Stärke zu sein.“ hob Exos spöttisch eine Augenbraue hoch. „Du bist eine Dämonin, egal was für ein Titel du jetzt trägst. Letztendlich ist es auch egal was für eine Rasse, alle Dämonen wurden von dunklen Gott erschaffen.
Sie gab es in meiner Zeit schon und es gibt sie JETZT immer noch. Doch wie sieht es dann mit den Rassen der Göttin aus? Warum feinden sie dich alle an? Ich glaube, sie hat allen irgendwie in ihrer Erschaffung etwas eingebaut, dass…“
„Sorry, nun wird es mir zu albern.“ unterbrach Sina den Magiertyrann. „Wenn das stimmen sollte, dann müssten ALLE Menschen, Zwerge und Elfen von null auf hundert meine Feinde sein. Ist aber überhaupt nicht der Fall!
Wenn du meine Situation genauer beobachtet hast, dann kommt der erste Fehler in deiner Logik, dass über zehntausende Zwerge Zuflucht bei einem Dämon suchen, also bei mir. Menschen, von ihnen habe ich ebenfalls genügend Verbündete, die sogar länger wussten, dass ich den Titel trage.
Wie sieht es mit Elfen aus? Ich liebe zwei Elfen und sie mich. Also komm wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Wenn es darum geht, dass du mich wieder auf deine Seite ziehst, weil „eventuell“ die Göttin auch mein Feind ist, dann vergiss es.
Ich bin immer noch dagegen, dass du die wunderschöne Welt nach deinen Vorstellungen ändern willst. Wenn die Göttin ein Problem hat, dann soll sie es persönlich klären!“
„Die Göttin ist ein Feigling, sie wird nicht persönlich kommen. Bei mir ist sie nur gekommen, weil ich beinahe alles ausgelöscht hatte und es niemanden gab, der sich mir entgegensetzen konnte. Ihre Strategie… scheint sich nach all der Zeit nicht wirklich verändert zu haben.
Wenn es einen Problemfall gibt, versuch es unter deine Kontrolle zu bekommen. Funktioniert es nicht, so nutze die Umgebung des Problemfalls, dass es für sie tötet. Klappt das dann auch nicht, so sollen immer mehr ihrer erschaffenen Rassen das Problem bekämpfen. Na? Fällt dir was auf?“ grinste Exos wissend.
„Du willst mir allen ernstes sagen…“ hob Sina ihre Klauenhand hoch. „Das es ihre Schuld ist, dass ich die Macht der Erde bekommen habe?“ „Keine Ahnung, die Götter kann ich ebenso schlecht verstehen wie du.“ zuckte Exos mit den Schultern.
„Aber du hast verstanden, was ich dir eben erklärt habe. Jemand hat scheinbar länger versucht, in dein Leben einzugreifen. Tja… mehr noch, Alliancia wie es in dieser Zeitebene genannt wird, ist ihr Hoheitsgebiet.
Deymonlia dagegen gehört deinem dunklen Gott, somit… bis du auf dich selber angewiesen. Und soll ich dir was sagen? Du hast nicht die Macht gegen Götter kämpfen zu können. Scheinbar hast du mich ja ein bisschen durchschaut, daher… mache ich dir wieder das Angebot.
Schließe dich mir an. All deinen Freunden… Familie… und was auch immer dir am Herzen liegt, werde ich einen Ort erschaffen, wo sie sich wohl fühlen, bis sie sterben. Dazu…“
„Schachmatt.“ sagte Sina nur. Exos musste mehrmals blinzeln, dann schaute er auf das Schachbrett. Abwechselnd betrachtet er das Schachbrett und Sina an… und tut dann etwas unerwartetes. Er fing an, laut zu lachen.
Sina lehnte sich nach hinten und musste ebenfalls Grinsen. Sie ließ ihren Erzfeind lachen, denn so unangenehm wirkte es nicht. Scheinbar beruhigte sich Exos ein bisschen und schüttelte den Kopf. „Ich verstehe, dass ist wieder eure Antwort.“
„In der Tat. Hätte nicht gedacht, dir dass zu sagen, aber… Danke.“ lächelt Sina, wo Exos nun verwundert wirkt. „Dank dir habe ich nach langer Zeit wieder Schach gespielt. Du hast versucht, mich mit einer Intrige auf deine Seite zu holen, was… ziemlich offensichtlich war.
Doch mehr… danke ich dir, dass du mich mit deiner Weisheit erleuchtet hast. Vielleicht ist vieles aus den Haaren herbeigezogen, aber… vielleicht stimmt es ja auch. Dank dir… sehe ich zum ersten Mal Gaia aus einer anderen Perspektive.
So eine schöne Welt, aber sie wird nicht dir gehören. Ich werde es verhindern und wenn ich sie selber erobern muss.“ lächelt Sina sehr freundlich die stärkste Kreatur auf der Welt an. „Meine Kopfschmerzen sind verschwunden und wenn es vielleicht doch stimmt, dann ist die Göttin mein Feind.
Nicht… wenn man es natürlich betrachtet, das schon von Anfang an so wäre. Es ist jetzt nur… etwas persönlicher geworden. Nur habe ich doch meine Zweifel, ob die Göttin wirklich so allmächtig ist. Zu viele ihrer erschaffenen Rassen stehen auf meiner Seite, vielleicht hat sie die Kontrolle ja irgendwie verloren, wer weiß.
Ich verzichte ehrlich gesagt auf deine Hilfe. Du hast mir deine Geschichte erzählt und ich verstehe dich nun ein bisschen besser. Würde mir persönlich wünschen… deine gesamte Geschichte zu kennen und dann versuchen, dir deine Pläne auszureden.
Du weißt, was ich vorhabe und werde nicht damit aufhören. Wozu es geheim halten, wenn du es doch eh schon weißt? Jetzt magst du der Stärkste von allen sein, doch ich plane dich vom Thron zu stürzen.“
„Du wirst bald an deine Grenzen kommen.“ sagte Exos nur. „Im Gegensatz zu mir… wirst du mit deinem Körper, deiner Rasse und weiterem… keine weitere Stärke bekommen. Erinnerst du dich, als ich sagte, dass die Dämonen damals stärker waren?
Du bist vielleicht eine Ausnahme unter Dämonen, aber auch dir werden bald Grenzen kommen, die du nicht überbrücken kannst. Daher wirst du nie in der Lage sein, gegen mich und die restlichen Götterbestien anzukommen.“
Auf einmal stand Exos auf und die schwarze Welt mit Gaia verschwand, beide Personen waren wieder im Thronsaal zurück. Sina war… etwas angepisst, als Exos ihr wieder seine persönliche Meinung mitteilte.
„Abwarten Exos, wenn ich meine Grenze tatsächlich erreichen SOLLTE, dann werde ich sie brechen. Ich habe sooft was gebrochen, das wird mich nicht daran hindern, deine Pläne aufzuhalten.“
Exos schob seine Hände wieder in seine Hosentasche und drehte sich von Sina weg. „Wenn du meinst? Schade, dass ich dich wieder nicht auf meine Seite bekommen habe, ein Versuch war es wert gewesen, auch wenn ich viel von mir preisgeben musste.“
Nun geht der Magiertyrann langsamen Schritte von Sina weg, als sie auf einmal aufstand. „Exos!“ Die Götterbestie drehte sich zu Sina um. „Ich… hätte nur eine Frage. Wird auch nicht… viel von deiner Zeit beanspruchen vermutlich.“
„Hm? Und die wäre?“ hielt Exos den Kopf schräg. Sina zeigte auf das Schachbrett. „Wer… hat dir das Schach beigebracht?“
Ohne groß nachzudenken… hatte Sina eine ziemlich banale Frage gestellt, zumindest aus ihrer Sicht. Sie wollte wieder ein bisschen mehr herausfinden, doch… das Ergebnis was jetzt kam, hatte sie nicht kommen gesehen.
Exos der Magiertyrann, Sina´s Erzfeind und die größte Bedrohung auf der Welt… machte ein sehr bedrücktes… ja ziemlich trauriges Gesicht. Scheinbar hat Sina ihn mit dieser Frage ziemlich eiskalt erwischt.
Er lehnte den Kopf nach hinten, als würde er die Decke betrachten. „ … Die „Verräterin“ hat es mir beigebracht.“ Nach diese Aussage verschwand dann Exos und hinterließ Sina mit sehr geweiteten Augen.
Sie verstand, dass Exos nun etwas sehr sehr persönliches gesagt hatte… und wusste auch, dass sie mit diesem Wissen trotzdem nicht viel anfangen wird. Keine Möglichkeit das herausfinden außer über ihn und nach dem heutigen Gespräch…
„Es muss von ihn selber kommen. Wenn Exos nicht reden will, wird er nichts sagen. Glaube, da wird selbst Wisali an seine Grenzen kommen. Die einzige Möglichkeit ist, dass es irgendwie aus Zufall passiert wie eben.“ murmelt Sina in sich rein und seufzte.
Sie betrachtet nun auch die Decke, sah aber nichts, was sich lohnte, es genauer zu betrachten. „Das war ein… hm… eigenartiges Gespräch. Wenn die Welt sich gegen mich auflehnt, kann ich sie denn dann überhaupt kontrollieren? Gut das ich eh gegen eine Weltherrschaft bin.“ nickte Sina für sich und sah, dass die Sessel samt Schachtisch noch da waren.
„Hmm…“ betrachtet Sina den Schachtisch samt Figuren… und steckte es in ihren Inventar. „Entweder Exos hat sich von Anfang an nicht konzentriert oder es war ihm egal.“ meinte Sina nur über ihren Sieg. „Mein Tagesziel habe ich nicht erreicht, aber ich bin… tatsächlich nicht irgendwie wirklich böse drum.“ ging die Dämonin nun ihren Weg nach draußen.
Draußen sah Sina wieder die Natur und drehte sich noch einmal zur Ruine um. „Egal… wie man es wieder betrachtet, heute war ein verdammt merkwürdiger Tag. Nun gut… ab nach Hause…“ stellte die Dämonin ihren Kompass ein und trat ihre Heimreise an.
Irgendwo auf der Welt:
Exos erschien in einem sehr dunklen Ort und musste verdauen, dass sein… Lieblingsspielzeug ihn gerade eiskalt mit der Frage erwischt hat. „Das ist wohl der kleine Nachteil, dass man keine Gedanken mehr lesen kann.“ dachte der Magiertyrann.
Dieser Ort wo er sich befand… war kalt. Klamm und feucht, es fielen immer wieder Wassertropfen von der Decke runter. Die Götterbestie hat sich scheinbar ein bisschen beruhigt und ging ganz gezielt auf eine bestimmte… Stelle zu.
Es wirkte wie ein übergroße Kapsel, doch Exos wusste es besser. „Ein Gefängnis wie ich es hatte und doch… scheint deines irgendwie anders zu sein.“ murmelt der Magiertyrann. Er streichelt über den Bereich, der wie Glas wirkte um das Innere besser zu begutachten.
Viel konnte man nicht sehen, wenn nur gewisse Andeutungen. Doch das reichte für Exos, der dieses Gesicht immer wieder erkennt. „Warum nur… „Verräterin“?“
Monstervilla:
Sina landete im Garten und sah, dass Sherry mit Neia sehr vertieft in ihren Gesprächen waren. „Besser ich störe sie nicht.“ lächelt Sina für sich und ging ins Wohnzimmer… „Uhm?“ hob die Dämonin direkt ihre Augenbrauen hoch.
„Gut das du da bist Schwester.“ nickte Kyllia ihr zu und drehte sich dann zu den Gästen um: Ma Shi und neben ihn saß Millie in einem Kleid. Sharlia, Lisa und Bariel waren ebenfalls anwesend. „War gerade am Überlegen, wie ich Millie am besten töte.“
„Erstmal überhaupt nicht.“ sagte Sina und ignorierte auch Millie, die sehr leere Augen hatte. „Ma Shi… wie geht es dir?“ Der alte Mann streichelte seinen langen weißen Bart und schien zu überlegen, wie er darauf antwortet. Er schaute kurz Millie an, dann wieder Sina.
„Ich musste sehr viel hinter gewissen Personen aufräumen. Protektor Corcan holte mich aus meinen Heim raus, dabei klärte er mich schnell auf, wie sich die Situation für mich und die Gilde allgemein geändert hat.
*seufz* Hätte ich geahnt, dass Ferr geplant hatte, die Vampire und dich aus der Abenteuergilde zu entfernen, hätte ich eingreifen müssen. Doch… jetzt ist es leider zu spät, nicht wahr?“ schaute Ma Shi Sina traurig an.
„Viel zu spät. Die Abenteurer oder eher gewisse Gildemeister und Protektoren sind nun meine Feinde geworden.“ ging Sina weiter ins Wohnzimmer und nahm einen Sessel, wo sie direkt den Gildemeister in die Augen schauen konnte. „Hat…“
„Protektor Corcan hat mir aus seiner Sicht alles erzählt, Millie… sagt kein Wort mehr. Scheinbar hat sie sich selber aufgegeben und ist mehr oder weniger eine Puppe geworden. Ich würde gerne es aus deiner Sicht wissen, was alles passiert ist.“ bat Ma Shi. Den Gefallen tat Sina und zauberte eine Illusion herbei, wo Ma Shi die Szene anschauen konnte.
Als es zum Ende kam, musste der Gildemeister den Kopf schütteln. „Das… wusste ich nun auch nicht. Millie, wie könnt ihr Protektoren so ein schweres Geheimnis für euch behalten?“ machte der Gildemeister der Frau einen Vorwurf. Alle starrten Millie an, aber keine Reaktion.
Wiederholt seufzte der Gildemeister und stand auf, um sich dann vor Sina zu verbeugen. „Es… tut mir vom Herzen leid, was man dir und den Vampiren angetan hat. Wenn…“
„Ich denke nicht dran, einen Neuanfang zu machen.“ sagte Sina direkt und Ma Shi schaute erschrocken drein. „Es macht auch keinen Sinn. Solange die Protektoren die alten rassistischen Regeln haben, sich stur daran halten, dass Monster Monster sind, wird das nichts.
JETZT mag es mit Corcan vielleicht… ruhig sein, aber was ist mit den neuen Protektoren? Wenn diese wieder nach den Regeln der Protektoren gehen, dann geht das Theater von vorne los und ehrlich? Darauf verzichte ich.
Solange ich scheinbar eine Dämonenkönigin bin, werde ich nie wieder eine Abenteurerin werden, egal wie sehr du deine Beziehungen spielen lässt. Die Vampire hätten bessere Chancen sowie die Dämonen, doch… Millie hat ja gewisse Andeutungen gemacht, was man dagegen tun würde.
Ich werde mich daher darauf konzentrieren, dass man die Vampire als Rasse anerkennt. Wenn dieser Schritt umgesetzt wurde, egal wie viel Zeit vergangen ist, mache ich das dann mit den Dämonen. Ein Schritt nach dem anderen.
Solange… muss ich damit leben, dass ich von den Abenteuergilden mit keinerlei Hilfe mehr rechnen darf. Mehr noch, werde ich wohl überlegen müssen, wie ich meine Vampire vor ihnen schützen muss, wenn man Aufträge auf ihre Köpfe setzt.
Die Abenteurer hier… und in der Nähe sind vernünftig, doch was ist mit denen, die das Geld benötigen oder keinerlei Skrupel haben? Seit gestern muss ich also damit leben, dass die Organisation, in die ich die meiste größte Hoffnung gesetzt habe für einen Waffenstillstand mehrerer Nationen, nun verloren gegangen ist.
Kannst dich also wirklich bei Millie und Corcan bedanken. Die beiden anderen sind auf dem besten Weg zu der Göttin.“ lehnte Sina sich nach hinten. Sie wusste, dass sie sich gegenüber Ma Shi etwas unfair verhält, aber je früher sie die neue Lage klarstellt, desto einfacher ist es für die Zukunft.
„Hält sich Corcan eigentlich an meinen Vorschlag? Meine, man kann ja immer noch schnell seine Meinung ändern.“ fragte Sina nach. „Bisher ja.“ nickte Ma Shi, als er wieder auf dem Sessel platz genommen hat.
„Ich habe wieder die Leitung der Gilde übernommen und musste das nachholen, was Ferr liegen gelassen hat. Wenigstens… hat er eine Warnung an alle Gildehäuser raus geschickt über die Urvampire.
Mir… persönlich tut es trotzdem leid Lady Sina. Es hätte niemals so ausarten dürfen und nun muss ich mir Sorgen machen, dass eine wichtige Freundin von mir… Dinge machen wird, die ich nicht gutheißen werde.“
Sina wiegelt kurz ihren Kopf, dann gab sie eine kurze Wiedergabe, was sie am Vortrag den Vampiren erklärt hatte. „Das sind so meine Pläne. Bisher ist also… nichts, was dir Sorgen machen müsste. Doch… darfst du dich nicht wundern, dass du von nun an Nachrichten zu hören bekommst, dass der eine oder andere den Kopf verlieren wird.
Ich werde jetzt immer austeilen und allen meinen Feinden zeigen, was sie immer sehen wollten. Eine blutdürstige Dämonin, die ihre Feinde tötet. Vielleicht fällt ihnen auf, was sie angerichtet haben, wenn ich vor ihnen stehe und ihnen ihre Seele entreiße.
Hätten sie mich einfach… nur in Ruhe gelassen, hätte es niemals ausarten müssen. Ich habe jeden Scheiß mitgemacht, nun ist es gut. Ich bin immer noch für den Frieden zwischen meiner Rasse und Alliancia, aber nicht mehr um jeden Preis.
Je mehr man mir Steine in den Weg legen wird, desto mehr werde ich mich wehren. Diesen Weg wollte ich eigentlich nie gehen, sondern mehr den Weg der Diplomatie, auch wenn es nie wirklich meine stärkste Seite war.“
Ma Shi schaute die anderen Damen an, doch er sah nur in ihren Augen, dass sie auf der Seite von Sina standen. „Ich… verstehe. Auch wenn es verlorene Worte sind… aber als ein Freund würde ich dich… trotzdem bitten zu überlegen, ob du wirklich diesen Weg gehen willst.
Ich werde versuchen, Corcan und die neuen Protektoren… zu überreden, ob sie nicht ihre Regeln anpassen wollen. Dank ihnen wurde alles nur zum Schlechteren und eigentlich sollten sie ja „nur“ die Neutralität der Abenteuergilde bewahren.
Ferr hat in seiner Macht… irgendwie den Überblick verloren, aber er wusste genau, dass er die neuen Regeln, die du mit den anderen SSS-Abenteurer beschlossen hattest, nicht einfach so rückgängig machen können. Millie weiß…“
Doch bevor Ma Shi den Satz beenden konnte, stand Kyllia schon vor Millie, die immer noch regungslos war. Die Zwillingsschwester packte Millie am Hals und hob sie direkt hoch, Millie war direkt am röcheln.
„Willst du mir allen ernstes sagen, dass diese Schlampe eine Intrige gegen meiner Schwester unterstützt hatte?“ knurrte Kyllia wütend. Verzweifelt versuchte Millie sich aus dem Griff zu befreien, aber sie hatte nicht die nötige Stärke. „Kyllia!“ wollte Ma Shi das verhindern, Sina enthielt sich ganz bewusst.
„Tante Kyllia…“ legte Bariel eine Hand auf die Schulter von Kyllia. „Ich kann verstehen, dass dein Hass und Wut dich übermannen, aber… willst du nicht lieber noch warten, was der Gildemeister noch sagen könnte?“
Kyllia selber spürte eine Freude in sich, die sie von Sina bekam. Doch konnte sie nicht unterscheiden, ob sie Stolz auf sie war, dass sie Millie gerne töten würde oder das Bariel sich einmischte.
Die Hand ließ den Hals von Millie los und sie fiel auf den Sessel, wo sie schwer röchelte. „Danke Tante…“ „Bitte… lass Tante weg, sonst machst du mich nur älter, als ich eigentlich bin…“ grinste Kyllia schief. Sie warf Millie noch einen tödlichen Blick zu, dann nahm sie wieder Abstand.
„Geht es?“ fragte Ma Shi vorsichtig bei Millie nach, doch sie blieb weiterhin schweigsam, dabei rieb sie sich nur am Hals. „Ja, Millie dürfte es wissen, dass alle mehr oder weniger ihre Grenzen überschritten hatten.“ führte der Gildemeister wieder fort.
„Tja, dann ist es halt so.“ zuckte Sina mit der Schulter. „Wir sind jetzt in dieser Situation, mit der wir jetzt leben müssen. Es wären so viele „Was-wäre-wenn…“ wir können einfach nicht mehr die Vergangenheit ändern.
Mein Haus steht dir weiterhin offen Ma Shi. Du hast mir all die Zeit geholfen und gehörst auch zu denen, denen ich mein vollstes Vertrauen gebe. Das gilt auch für die anderen, die meinen Vampiren eine Chance gegeben hatten.
Doch diese endet, wenn es um die Gildehäuser aus dem ehemaligen Tuzato geht. Diese haben scheinbar Probleme, dass es ihnen wohl zu gut geht. Wenn sie wieder ein krummes Ding drehen werden, schicke ich einfach jemanden vorbei, der sich dann ihrer annehmen wird, vermutlich Bariel.
Sie kennt die Namen und Gesichter, wenn sie will, kann sie auch jemanden zu ihrer Unterstützung mitnehmen. Es soll keine Kriegsdrohung sein Ma Shi und ich will dich nicht unter Druck setzen, aber…
Wenn du versuchst, gewisse Änderungen in deiner Gilde zu „erzwingen“ sollte du zumindest wissen, was passieren wird, wenn sie… keinen Erfolg haben und die Waffen auf meine Familie gerichtet wird.“
Der Gildemeister war sehr… schweigsam geworden. Es betrübt ihn regelrecht, was er zu hören bekommt. „Auch… wenn mir verboten wurde… dass ich mit der Abenteuergilde weiterhin in Kontakt kommen darf… Würde ich das Verbot ignorieren.
Lässt… sich was machen, dass Mio und Tio einen… Sonderstatus bekommen könnten? Als… hm… Vermittler zwischen der Abenteuergilde und den Dämonen? Glaube… es könnte dir dienlich sein bei der Schadensbegrenzung.“
„Hm…“ grübelte Ma Shi direkt nach. „Sollte möglich sein, ich werde es Protektor Corcan nahelegen, dass er ein Schreiben aufsetzen soll, dass die Zwillinge nicht von ihm oder den neuen Protektoren angetastet werden dürfen. Dabei weise ich ihn auch darauf hin, dass es egal ist, dass sie Vampire sind.“
„Das wäre nämlich sehr gut, denn… scheinbar sind einige Gildehäuser nicht sehr genau bei ihrer Arbeit.“ sagte Sina und erklärte Ma Shi, was sie über die Zwillinge erfahren hat. Dies scheint Millie´s Aufmerksamkeit zu erregen, selbst Bariel.
„Also… wenn ich das früher gewusst hätte, wäre ich als Protektorin persönlich vor Ort geflogen. Das stinkt geradezu nach Korruption.“ kam die Meinung von Bariel. „Mehr noch, das scheint ja auf fast jede Gilde zu treffen, die an Häfen oder Städte an Meeren existieren.“
„Dummerweise darfst du sie ja nicht mehr betreten.“ kichert Sina leise. „Doch wenn du weiterhin deine Illusionen übst, kannst selbst du das Problem umgehen. Egal, es freut mich zu hören, dass ich den Zwillingen eine gute Nachricht vermitteln kann und vielleicht… interessiert es auch Corcan, dass etwas an den „Strandgilden“ faul ist.“
„Das ist mehr als fahrlässig, aber… ich kann mich nicht dem Problem annehmen. Die Zeit und auch… die Kraft habe ich nicht dazu, wenn ich ehrlich bin. Das Theater mit Ferr hat schon einiges an Energie gekostet und nun muss ich seinen Fehler und der anderen Protektoren korrigieren.“ seufzte Ma Shi.
Ein Schweigen war im Wohnzimmer, Sharlia und Lisa hielten sich dem Gespräch komplett zurück. „Ma Shi… du wirst Urgroßvater.“ sagte Sina auf einmal.
Sofort schaute der alte Mann Sina in die Augen, wie sie am Lächeln war. „W… wie meinst du das?“ traute sich der Gildemeister sich nicht zu fragen. „Ma Shi… dein Enkelkind hat jemanden kennengelernt, den sie… vom Herzen liebt.
Du weißt, wie ihre neue Gestalt ist und ihr Mann ist einer von meinen Naga´s. Ob… es Schicksal ist, Zufall… keine Ahnung, aber dieser Mann hat um Ling mehr oder weniger gekämpft. Gekämpft, dass sie wieder Nahrung zu sich nimmt.
Gekämpft, dass sie nicht alleine ist, einfach alles. Dann… muss es irgendwie und wann passiert sein. Ling ist schwanger und… ich kann dir sagen, dass sie drei Kinder in ihrem Bauch hat. Wenn du möchtest, kann ich dir mehr Details geben, aber ich dachte… ich vermittele einfach… nur eine einfache Nachricht.
Dein schwieriges Enkelkind, was sehr viel deiner Aufmerksamkeit verlangte… ist glücklich mit einem Mann zusammen und bekommt Nachwuchs. Nicht… unbedingt ein Nachwuchs, wie du es dir vorstellst, aber… Sobald Ling ihren Mann in die Augen geschaut hat… sie liebt ihren Mann wirklich vom Herzen. Sie selber… freut sich ebenfalls… dass sie drei Kinder in sich trägt.“
Die Nachricht war auch den anderen unbekannt gewesen, Ma Shi musste mehrmals blinzeln… und dann passierte es. Er lehnte sich auf dem Sessel zurück und bekam ein Grinsen auf dem Gesicht. Zwar legte er nicht die Hände auf seinen Bauch, aber man sah ihm an, dass diese Nachricht… ihn sehr glücklich machte.
„Du weißt, dass ich Ling nicht leiden kann, dennoch… habe ich ihr angeboten, einen Neuanfang mit mir zu wagen. Sie beschützt mein Volk vor Gefahren und genießt das Vertrauen meiner Naga´s. Irgendwie… muss meine Begegnung mit ihr… sie dazu gebracht haben, dass sie sich verändert hat, nicht nur körperlich, sondern auch in ihrer Denkweise.
Wie… sie sich entscheiden wird, dass werde ich beim nächsten Treffen wohl erfahren. Dachte… bei der ganzen Weltuntergangsstimmung… sollte ich dir eine gute Nachricht mitteilen.“ lächelt Sina.
„Und ich danke dir vom Herzen Sina.“ richtete Ma Shi sich auf, eine Träne des Glücks fiel von seinem Auge runter. „Das… sind Nachrichten… die mir wirklich Kraft geben, meine eigenen Herausforderungen anzugehen.“
„Schön zu wissen, bleibt nur die Frage, was Millie eigentlich hier zu suchen hat?“
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